Ein Goldschatz im Obenhausener Ried

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Goldener Scheckenfalter © Klaus Heinze

Der Goldene Scheckenfalter ist europaweit vom Aussterben bedroht. Vergleichsweise zahlreich ist er nur noch in den Niedermooren des bayerischen Alpenvorlandes. Bayern hat deshalb eine große Verantwortung für den Schutz und Erhalt der Art. Da die Bestände auch europaweit stark zurückgehen, wurde der Goldene Scheckenfalter in Anhang II der FFH-Richtlinie aufgenommen. Dadurch mussten besondere Schutzgebiete für ihn ausgewiesen werden. Eins dieser FFH-Gebiete ist unser Obenhausener Ried.

 

Der Goldene Scheckenfalter wurde schon vor längerer Zeit im Obenhausener Ried entdeckt. Damals konnte er noch in vier Brach- und Streuwiesen häufig beobachtet werden. Aus verschiedensten Gründen wurde er aber immer seltener.


Markieren statt Mähen

Einer dieser Gründe war möglicherweise – leider und völlig unabsichtlich – hausgemacht. Unserem Schmetterlingsexperten Klaus Heinze war nämlich aufgefallen, dass der LBV eine Streuwiese im Herbst 2000 zu einem Teil und im Herbst 2001 fast ganz mähte. Was für wiesenbrütende Vögel wie Kiebitz oder Brachvogel gedacht und notwendig war, hatte für den Goldenen Scheckenfalter fatale Auswirkungen: 2002 und 2003 war er dort verschwunden. Deshalb informierte Klaus Heinze die LBV-Verantwortlichen.  Wir änderten daraufhin die Mahdtechnik. Jetzt wurde versucht, möglichst alle blau blühenden Teufelsabbiss-Pflanzen (Succisa pratensis) stehen zu lassen. Seit 2003 werden von Klaus Heinze außerdem die Raupen-Gespinste vor den Pflegeeinsätzen gekennzeichnet, sodass beim Mähen gezielt ein Bogen um sie gemacht werden kann.

Die spinnen, die Raupen!

Im Obenhausener Ried fliegen verschiedene Scheckenfalter-Arten, die nicht immer so einfach unterscheidbar sind, Deshalb ist die sicherste Methode, um den Goldenen Scheckenfalter nachzuweisen, die Suche nach Jungraupen-Gespinsten. Dazu muss man „nur“ alle Raupenfutterpflanzen ablaufen – was im Obenhausener Ried schon mal zweieinhalb Stunden dauern kann. Bisher sind drei Teilpopulationen bekannt, die relativ nahe beieinander liegen, teilweise aber durch große und dichte Gehölze getrennt sind.

Langfristiges Überleben fraglich

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Jungraupen des Goldenen Scheckenfalters © R. Schreiber

Dank der Markierungen und kleiner Bestandsstützungsmaßnahmen hat sich die Population des Goldenen Scheckenfalters im Obenhausener Ried in den letzten Jahren bei ca. 40-50 Raupengespinsten stabilisiert. Diese Größe reicht aber für ein langfristiges Überleben nicht aus, erst recht nicht, wenn es weiterhin drei räumlich getrennte Vorkommen gibt. Denn die Tiere fliegen immer relativ nahe am Boden, also weder „um die Ecke“ noch in die Höhe. Deshalb sollten die Gehölzriegel zwischen den drei Vorkommen aufgelichtet bzw. durchlässig gemacht werden. Gut wären jeweils zwei ca. 10 Meter breite Korridore (das ist gerade mal eine halbe Baumlänge), durch die die Falter dann hin- und herfliegen könnten. Außerdem wird das kleinste der drei Vorkommen derzeit noch so gemäht, dass die Gespinste vermutlich zerstört werden. Da inzwischen der Managementplan vorliegt, soll das aber geändert werden. Damit kann sich hier hoffentlich ein weiteres starkes Vorkommen entwickeln.