Ein Stückchen Schwäbische Alb im Landkreis Neu-Ulm

Wo mager und trocken ein Prädikat ist

Am Kugelberg bei Thalfingen betreuen wir einen Trockenrasen, der Orchideen und andere Pflanzenspezialisten beherbergt. Um dieses Biotop zu erhalten, muss es alljährlich gemäht und das Mähgut abtransportiert werden. Auch Sie können dabei helfen ...

 

Kalkmagerrasen gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Schwäbischen Alb. Dieser ehemals meist durch extensive (Schaf-) Beweidung bzw. Heuernte entstandene Lebensraumtyp ist seit der Erfindung des Mineraldüngers und der technischen Fortschritte in der Landwirtschaft gefährdet, und schon allein der heutige Eintrag von Nährstoffen durch die Luft bzw. den Regen ist eine Bedrohung. Aufforstung bzw. Brache einerseits, Meliorisierung und Grünlandintensivierung andererseits verdrängen diese die Alb stark prägende Kulturlandschaftsform immer mehr.

 

Rund um den Kugelberg liegen die südlichsten Ausläufer der Schwäbischen Alb in Bayern. Durch den Jurakalk-Untergrund mit seinem flachgründigen Bodenhorizont und die nach Westen ausgerichtete Hanglage ergeben sich nährstoffarme, trocken-warme Bedingungen, die den charakteristischen, konkurrenzschwachen Arten ideale Überlebenschancen bieten.

 

Eine typische Zeigerart für die hohe ökologische Bedeutung dieses Biotops ist die Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris, Rote Liste 3 = gefährdet). Die zu den Hahnenfußgewächsen gehörende Pflanze verträgt keinen Wiesenumbruch, und es dauert mehr als 50 Jahre, bis sie sich auf wiederhergestellten Trockenrasen ansiedelt.

 

Relikte der ehemaligen extensiven Beweidung sind Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Breitblättriger oder Feld-Thymian (Thymus pulegioides), Deutscher Fransenenzian (Gentianella germanica) sowie Gewähnlicher Natternkopf (Echium vulgare) und Silberdistel (Carlina acaulis) (alle Rote Liste 3).

 

Weiterhin wachsen hier die klassischen Kalkmagerrasen-Pflanzen wie Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und Hufeisenklee (Hippocrepis comosa). Der Hufeisenklee ist übrigens „die“ Futterpflanze für einige sehr seltene, z. T. im Landkreis nur noch hier vorkommende Falter wie den Hufeisenklee-Gelbling (Colias alfacariensis, besser bekannt als Südlicher Heufalter), das Rotbraune Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion) und den Silbergrünen Bläuling (Polyommatus coridon).

 

„Behütet“ von einer noch sehr naturnahen Hecke ist der Magerrasen am Kugelberg ein ideales Biotop für weitere Insekten wie Blutströpfchen (Zygaenidae) und den Schachbrettfalter (Melanargia galathea), die das warme, windstille Kleinklima schätzen. Auch Vögel finden hier Schutz und Nahrung; charakteristisch sind der Neuntöter (Lanius collurio), die Dorngrasmücke (Sylvia communis) und die Klappergrasmücke (Sylvia curruca).

 

In den Magerrasen sind punktuell Zwerg-Wacholder (Juniperus communis subsp. alpina) und Hartriegelbüsche (Cornus sanguinea) eingestreut. Diese bieten Schutz und Landeplätze für Vögel und Falter. Selbst der Grünspecht (Picus viridis) macht hierher ab und zu einen Abstecher, da er als klassischer Erdspecht seine Nahrung in Form von Insekten leicht in der bodennahen Vegetation findet.

 

Am Rand der Hecke findet man den Gemeinen Dost (Origanum vulgare) und die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), die Wärme stauende und windstille Zonen brauchen; im etwas feuchteren, teilweise beschatteten unteren Hang wächst die wiederum auf der Roten Liste als gefährdet stehende Knollige Kratzdistel (Cirsium tuberosum).

 

Insgesamt gehören die vom LBV betreuten Flächen am Kugelberg zu den wichtigsten noch erhaltenen Trockenrasen-Biotopen des Landkreises Neu-Ulm. Ihr Fortbestehen ist jedoch stark pflegeabhängig. Die von LBV-Aktiven durchgeführte einschürige Mahd im Oktober mit Abräumen des Grüngutes erhält den nährstoffarmen Charakter und lässt die Pflanzen fruchten, ausreifen und aussamen, was unter anderem auch die Ausbreitung von Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) und Helm-Knabenkraut (Orchis militaris, beide Rote Liste Bayern 3) begünstigt. Die angepasste, schonende Pflege ist außerdem notwendig für Eiablage und Larvalentwicklung der hier vorkommenden Falter und Heuschrecken, die damit bodenständige Populationen aufbauen und so dauerhaft überleben können.