Der Natursee Wullenstetten: Ein Baggersee wird zum Naturparadies

Wo Naturschutz und Fischerei in einem Boot sitzen

Natursee Baggersee Wullenstetten im Herbst LBV Neu-Ulm
Herbststimmung am Natursee © B. Mayer

Das mitten im Landkreis Neu-Ulm gelegene, fast 40 ha große Areal ist durch den Abbau von Kies entstanden. Dieser ist inzwischen abgeschlossen. Das Renaturierungsziel war von Anfang an ein Natursee.

Ein Projekt – viele Unterstützer

Nachdem das Grundstück an die Stadt Senden zurückgegangen ist, hat diese das Fischereirecht dem örtlichen Fischereiverein übertragen, der wiederum See und Ufer gemeinsam mit uns im Sinne des Naturschutzes erhalten und gestalten will. Unterstützung kommt neben dem Landratsamt auch von der Stadt Senden, deren Stadtrat einstimmig beschlossen hat, einen Natursee einzurichten. Außerdem wurden wir als eines von ca. 50 landesweiten Biodiversitätsprojekten zeitweise durch das bayerische Umweltministerium unterstützt (siehe ANL-Internetseite).

 

Um die schon während des Abbaus und im Zuge der Renaturierung entstandenen Lebensräume langfristig zu erhalten, werden Ufer-strukturen und -abschnitte erhalten und, wo nötig, naturschutzfachlich optimiert.

 

Viele Lebensräume – große Vielfalt

Die große Bandbreite an Lebensraumtypen, die sich am See gebildet haben oder angelegt worden sind, bedingt eine hohe biologische Vielfalt: In den Schilfgebieten brüten Teich- und Drosselrohrsänger sowie die seltene Wasserralle. Die kargen Kiesböden mit ihrer schütteren Vegetation bieten Dornschrecken und Zauneidechsen ein Zuhause. Flache Tümpel im Uferbereich ziehen Gelbbauchunke und Kreuzkröte an. Auf der großen Schwemmsandfläche im Süden fühlt sich der Flussregenpfeifer wohl. Zur Zugzeit nutzen Watvögel wie Bruch-wasserläufer, Bekassine oder Alpenstrandläufer die Flachwasser-bereiche zum „Auftanken“, und auf der offenen Wasserfläche überwintern jedes Jahr zahlreiche Tauchenten aus dem Norden und Osten Europas. Außerdem schätzen natürlich auch viele Fischarten das klare Wasser und die naturnah gestalteten Ufer mit ihren Unterständen und warmen Flachwasserzonen.

 

Besonders stolz können wir aber auf eine der bayernweit größten Flussseeschwalben-Kolonien sein; alljährlich ab April kehren die schnittigen Flieger aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zum Natursee zurück, um auf den von uns gebauten Brutflößen ihre Jungen auszubrüten und großzuziehen.

Besucherlenkung und Information

In den letzten Jahren waren an den See-Ufern Grillplätze mit entsprechendem Müllaufkommen entstanden. In der Umgebung wurde wild und unkontrolliert geparkt. Dies wurde auch in der Stadt Senden kritisch gesehen, da im Grundwasserstrom unterhalb des Sees Trinkwasserbrunnen liegen.

 

Inzwischen informieren vier große Info-Tafeln an den Zugängen zum See über den Wert des Sees für die Natur in unserer Heimat und geben einen Überblick über das Gebiet. Rund um den See haben wir zwölf kleine Themen-Tafeln mit Informationen zu Tierarten am und im See aufgestellt. (Weitere Themen-Tafeln sind in Planung.)

 

Und tatsächlich haben die Störungen abgenommen. Nicht ganz, es gibt immer noch vereinzelt Lagerfeuer und Abfallhaufen, aber immerhin weniger. Derzeit überlegen wir, uns eine Aussichtsplattform und ein großflächigses Abbaggern des viel zu trockenen Schwemmsands im Rahmen von LEADER fördern zu lassen - aber leider gibt es dort nur 50% Zuschuss ...


Anreise

Mit dem Fahrrad

Wenn Sie den See vollständig umrunden wollen, ist das Fahrrad die beste Wahl. Die Wege sind teilweise unbefestigt.

 

Vom Norden her (Wullenstetten) erreichen Sie den Natursee über die asphaltierte Heerstraße. Am See finden Sie eine Informationstafel mit Überblickskarte.

 

Vom Recylinghof Vöhringen her können Sie zum Beispiel westlich des Landgrabens am Ostufer des Natursees nach Norden radeln.

 

Von Vöhringen erreichen Sie den See, wenn Sie sich jenseits der Bedarfsschranke im Industriegebiet "Vöhringen Nord" nördlich halten. Nach kurzer Zeit kommen Sie an eine Informationstafel mit Überblickskarte.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Vom Bahnhalt Wullenstetten (an der Bahnstrecke Weißenhorn – Ulm) sind es etwa 900 m auf der Heerstraße nach Süden bis zum Nordufer des Sees. Dort finden Sie eine Informationstafel mit Überblickskarte.

 

Mit dem Auto

Parken am Musikerheim Wullenstetten (Heerstraße 18), von dort sind es etwa 500 m auf dem Feldweg zwischen den beiden Angelteichen zum See. Dort finden Sie eine Informationstafel mit Überblickskarte.

 

Parken im Industriegebiet "Vöhringen Nord" (Zugang zur Beobachtungswand), jenseits der Bedarfsschranke ein kurzes Stück nach Norden bis zur Informationstafel mit Überblickskarte.


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Ein Idyll, aber kein natürliches: Der Natursee Wullenstetten ist durch Kiesabbau entstanden. © B. Mayer