Ein Baggersee wird zum Naturparadies

Wo Naturschutz und Fischerei in einem Boot sitzen

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Ein Idyll, aber kein natürliches: Der Natursee Wullenstetten ist durch Kiesabbau entstanden. © B. Mayer

Das mitten im Landkreis Neu-Ulm gelegene, fast 40 ha große Areal ist durch den Abbau von Kies entstanden. Dieser ist inzwischen abgeschlossen. Das Renaturierungsziel war von Anfang an ein Natursee.

Ein Projekt – viele Unterstützer

Nachdem das Grundstück an die Stadt Senden zurückgegangen ist, hat diese das Fischereirecht dem örtlichen Fischereiverein übertragen, der wiederum See und Ufer gemeinsam mit uns im Sinne des Naturschutzes erhalten und gestalten will. Unterstützung kommt neben dem Landratsamt auch von der Stadt Senden, deren Stadtrat einstimmig beschlossen hat, einen Natursee einzurichten

Um die schon während des Abbaus und im Zuge der Renaturierung entstandenen Lebensräume langfristig zu erhalten, werden Uferstrukturen und -abschnitte erhalten und, wo nötig, naturschutzfachlich optimiert.

 

Besucherlenkung und Information

In den letzten Jahren sind an den See-Ufern Grillplätze mit entsprechendem Müllaufkommen entstanden. In der Umgebung wird wild und unkontrolliert geparkt. Dies wird auch in der Stadt Senden kritisch gesehen, da im Grundwasserstrom unterhalb des Sees Trinkwasserbrunnen liegen.

Rund um den See gibt 12 kleine Themen-Tafeln mit Informationen zu Tierarten am und im See geben. Außerdem wurden an den Zugängen zum See vier große Info-Tafeln aufgestellt, die über den Wert des Sees für die Natur in unserer Heimat informieren sowie einen Überblick über das Gebiet geben.

Weitere Themen-Tafeln sind derzeit in Arbeit.


Viele Lebensräume – große Vielfalt

Die große Bandbreite an Lebensraumtypen, die sich am See gebildet haben oder angelegt worden sind, bedingt eine hohe biologische Vielfalt: In den Schilfgebieten brüten Teich- und Drosselrohrsänger sowie die seltene Wasserralle. Die kargen Kiesböden mit ihrer schütteren Vegetation bieten Dornschrecken und Zauneidechsen ein Zuhause. Flache Tümpel im Uferbereich ziehen Gelbbauchunke und Kreuzkröte an. Auf der großen Schwemmsandfläche im Süden fühlt sich der Flussregenpfeifer wohl. Zur Zugzeit nutzen Watvögel wie Bruchwasserläufer, Bekassine und Alpenstrandläufer die Flachwasserbereiche zum „Auftanken“ und auf der offenen Wasserfläche überwintern jedes Jahr zahlreiche Tauchenten aus dem Norden und Osten Europas.

 

Besonders stolz können wir aber auf eine der bayernweit größten Flussseeschwalben-Kolonien sein; alljährlich ab April kehren die schnittigen Flieger aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zum Natursee zurück, um auf den von uns gebauten Brutflößen ihre Jungen auszubrüten und großzuziehen.