Lebensraum Niedermoor: Das Obenhausener Ried

Wo feuchte Wiesen und saure Gräser erwünscht sind

Obenhausen Ried Niedermoor Feuchtwiese Naturschutz LBV Neu-Ulm Buch
Schwäbische Tundra: Das Obenhausener Ried im Winter © B. Mayer

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit im Landkreis Neu-Ulm ist die Riedlandschaft zwischen Illertissen und Buch, die durch ihre offenen, feuchten Wiesenflächen charakterisiert ist. Hier wachsen Orchideen, Seggen und Binsen, und hier brütet der Baumpieper.

 

LBV-Kreisgruppe Neu-Ulm Gruppenfoto Streuwiese Feuchtgebiet Metrac Obenhausener Ried
Kostbarkeiten brauchen Pflege: Die LBV-Truppe nach getaner Arbeit. © LBV NU

Das Obenhausener Ried ist einer der letzten Reste der einst ausgedehnten Niedermoore des Iller- und Rothtals. Diese Feuchtgebiete wurden früher nach und nach trockengelegt; die so gewonnenen Flächen konnten dann gemäht werden. Das Mähgut wurde hauptsächlich als Einstreu für die Ställe verwendet. Nach dem Ende der Nutzung breiteten sich im Ried zunehmend Gebüsche und Gehölze aus. Durch diese Prozesse geht aber die biologische Vielfalt zurück. Denn auf den Feuchtwiesen leben seltene Pflanzen- und Insektenarten.

 

Wir stellen in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden den Offenlandcharakter des Obenhausener Rieds wieder her. Winter für Winter werden Flächen entbuscht und wieder zu Streuwiesen umgewandelt. Diese werden dann im Herbst gemäht und das Mähgut abgeräumt, sodass der offene Charakter des Rieds erhalten bleibt. Außerdem wurden Tümpel für Amphibien wie den Grasfrosch angelegt.

Orchidee Dactylorhiza incarnata Obenhausen Ried LBV Neu-Ulm
Das Fleischfarbene Knabenkraut im Obenhausener Ried © F. Zeller

Das Ried beherbergt wegen dieser Maßnahmen immer noch eine Vielzahl seltener, teils hochgradig gefährdeter Arten: Breitblättriges und Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza majalis, D. incarnata) sowie Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium) fühlen sich hier wohl. Manche ziehen Insekten an, die sich auf das Zusammenleben mit diesen Pflanzen spezialisiert haben, etwa den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Glaucopsyche nausithous), einen Schmetterling, der seine Eier nur in die Blütenköpfchen des namengebenden Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) legt, oder den Goldenen Scheckenfalter (Euphydryas aurinia), der den Gewöhnlichen Teufelabbiss (Succisa pratensis) als Eiablage- und Raupenfutterpflanze benötigt. In den Pfeifengras-Feuchtwiesen leben unter anderem Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) und Sumpfgrashüpfer (Chorthippus montanus). Auch vielen Vogelarten bietet das Obenhausener Ried Möglichkeiten zum Brüten und zur Nahrungssuche: Es ist der letzte regelmäßig besetzte Brutplatz des Baumpiepers in unserem Landkreis, und auch Neuntöter, Dorngrasmücke, Feldschwirl, Rohrweihe und Rotmilan sind als Brutvögel vertreten. Die Weißstörche der Umgebung nutzen die Riedwiesen regelmäßig zur Nahrungssuche. Wenn es kalt wird, dient das Ried Raubwürger und Kornweihen als Winterquartier und Jagdrevier. In einigen Bächen und Gräben kommt sogar noch die Bachmuschel (Unio crassus) vor.

 

Die seggen- und binsenreichen Niedermoor-Flächen, die Pfeifengras-Streuwiesen und insbesondere die beiden oben genannten Schmetterlings-Arten waren zusammen mit den Muscheln ausschlaggebend dafür, dass das Obenhausener Ried als FFH-Gebiet (Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) ausgewiesen worden ist.