Bachmuschel (Unio crassus)

Eine Bachmuschel aus dem Landkreis Neu-Ulm - und zwar aus dem Fischteichgraben im FFH-Gebiet Obenhausener Ried.
Foto: Karl Sauerbrey

Muscheln gehören zusammen mit den Schnecken (und noch ein paar selteneren Gruppen, darunter Tintenfische) zu den Weichtieren. Das heißt, sie haben kein inneres Skelett wie wir, sondern ihr Körper besteht nur aus Haut, Muskeln, Nerven und Organen. Zum Schutz haben die meisten Arten Gehäuse oder Schalen entwickelt. Unsere Muscheln, also auch die Bachmuschel, haben zwei Schalenklappen, die durch zwei starke Muskeln zusammengehalten werden und beim lebenden Tier fast ganz geschlossen bleiben. Nur an einem Ende sieht man, wenn man genau hinschaut, zwei "Löcher": die Einström- und die Ausströmöffnung. Dort wird permanent Wasser eingesaugt und wieder ausgestoßen. Zwischen den Schalen befindet sich der eigentliche Körper der Muschel. Das größte Organ sind die Kiemen, die nicht nur zur Atmung dienen, sondern außerdem der Ernährung, indem aus dem eingestrudelten Wasser feine organische Teilchen herausgefiltert werden. Eine perfekte Kleinkläranlage sozusagen! Das bedeutet aber auch: Das Wasser darf weder zu dreckig sein (dann hat es zu wenig Sauerstoff und die Muschel muss ersticken) noch zu sauber (dann verhungert sie). Die Bachmuschel besiedelt deshalb saubere, aber eher nährstoffreichere Bäche und Flüsse, meist mit einer Gewässergüte um Güteklasse II und geringer Nitrat-Belastung.

 

Ein weiterer Muskel, der Fuß (ähnlich dem der Schnecken!), kann zwischen den Schalenklappen herausgestreckt werden, wodurch sich die Tiere tatsächlich Zentimeter um Zentimeter im Bachbett fortbewegen können. Wenn das Wasser klar ist, sieht man dann eine richtige, oft meterlange "Spur", die das Tier im Sediment hinterlassen hat.

 

Spannend ist vor allem die Fortpflanzung, die eng mit Fischen verknüpft ist. Außerdem muss man wissen, dass Bachmuscheln getrenntgeschlechtlich sind, d.h. es gibt Männchen und Weibchen. Um die Eier in den Muschelkiemen der Bachmuschel-Weibchen zu befruchten, müssen die von den Bachmuschel-Männchenausgestoßenen Samen von ihnen mit dem Wasser eingestrudelt werden. Die so befruchteten Eier werden dann in den Muschelkiemen "vorbebrütet" und die sich entwickelnden Muschellarven, die so genannten Glochidien, von den Muttertieren wiederum ins freie Wasser ausgestoßen.

 

Jetzt kommen die Fische ins Spiel. Die Glochidien heften sich nämlich an Fisch-Kiemen als Parasiten an. Nicht alle unsere Fische taugen als Wirte, nur Döbel (Leuciscus cephalus), Elritze (Phoxinus phoxinus), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), Groppe od. Mühlkoppe (Cottus gobio) und Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus). Für den Fisch entsteht durch die Muschellarven normalerweise kein großer Schaden. Nach vier bis sechs Wochen ist es außerdem schon wieder vorbei: Die Glochidien fallen ab, sinken auf den Gewässerboden und vergraben sich im sog. Interstitial (Lückensystem) des Gewässergrunds, wo sie weiter wachsen. Erst nach einigen Jahren erscheinen dann die Jungmuscheln an der Oberfläche des Bachbetts.

 

Im Landkreis Neu-Ulm sind Bachmuscheln erfreulicherweise - und man muss schon auch sagen, überraschenderweise - noch weit verbreitet. Es gibt sie vor allem in der Roth und ihren Nebenbächen im südlichen Landkreis; diese Bestände waren einer der Haupgründe für die Ausweisung des FFH-Gebiets "Obenhausener Ried und Muschelbäche im Rothtal". Allerdings kommen die Muscheln nicht nur innerhalb des FFH-Gebiets - im sog. "Fischteichgraben", im Eisenbach, in der Kleinen Roth (Westroth) und der (Ost-) Roth selber - vor, sondern oft weit über die FFH-Grenzen hinaus. Nach Hinweisen von einem unserer Mitglieder, der Bachmuschel-Vorkommen in der Roth oberhalb von Buch kannte, wurde das Gewässer 2015/16 endlich systematisch kartiert. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Roth zwischen Weißenhorn und der südlichen Landkreisgrenze durchgehend von Bachmuscheln besiedelt ist, zum Teil sogar in recht hohen Dichten !!!

 

Darüber hinaus leben auch im Landgraben Bachmuscheln. Hier gab es schon länger einzelne Funde in und um Senden herum sowie im Bereich der B 10. Im Zuge von Planungen wurde aber erst in jüngster Zeit eine große Population bachabwärts, oberhalb von Nersingen, entdeckt. Auch in der Leibi wurden wieder lebende Bachmuscheln entdeckt; dort hatte man bisher immer nur alte, leere Schalen gefunden.

 

Weitere Informationen über die Bachmuschel gibt es beim Landesamt für Umwelt.